Solaranlage und Autarkie sind die Schlüssel zum freien Stehen ohne Camping-Platz. Wer richtig dimensioniert, kann tagelang autark bleiben – auf Stellplätzen, an Wein-Höfen, im Wald. Wer falsch rechnet, hat nach 2 Tagen leere Batterie. Diese Anleitung gibt dir die Praxis-Berechnung.
Was Autarkie bedeutet
Drei Bereiche der Autarkie:
- Strom-Autarkie: Solaranlage plus Bord-Batterie versorgen alle Verbraucher
- Wasser-Autarkie: Frischwasser-Tank groß genug, Abwasser kann sammeln
- Toiletten-Autarkie: Toilettenkassette nicht zu schnell voll
Reine Strom-Autarkie ist meist machbar, Wasser-Autarkie limitiert auf 3-7 Tage.
Strom-Verbrauch berechnen
Realistische Tagesverbräuche:
- LED-Beleuchtung: 5-15 Wh/Tag
- Wasserpumpe: 5-15 Wh/Tag
- Heizungs-Steuerung: 20-40 Wh/Tag
- Kühlschrank Kompressor: 200-400 Wh/Tag
- Kühlschrank Absorber 12V: 600-900 Wh/Tag (zu viel für Solar)
- Smartphone-Laden: 30-60 Wh/Tag
- Tablet-Laden: 50-100 Wh/Tag
- TV (4 Stunden): 100-200 Wh/Tag
- Fön kurz: 30-50 Wh
Typische Tages-Bilanzen
- Sparsamer Camper (LED, Wasser, Smartphone): 100-150 Wh/Tag
- Standard-Camping (mit Kühlschrank): 400-600 Wh/Tag
- Komfort-Camping (mit TV, mehr Geräten): 700-1.000 Wh/Tag
- Premium-Camping (Klimaanlage, Mikrowelle): 1.500+ Wh/Tag (Solar nicht ausreichend)
Solar-Modul-Größen
Erträge in Deutschland:
- 100-W-Modul: 200-400 Wh/Tag (gut bei Sommer)
- 200-W-Modul: 400-800 Wh/Tag
- 300-W-Modul: 600-1.200 Wh/Tag
- 400-W-Modul: 800-1.600 Wh/Tag
Faustregel: 2x täglicher Verbrauch als Solar-Leistung installieren. Bei 500 Wh/Tag also 200 W Solar.
Bord-Batterie
Standard-Optionen:
- AGM-Batterie: günstig, 5-7 Jahre Lebensdauer, 50 % entladbar
- Gel-Batterie: ähnlich AGM, etwas robuster
- Lithium (LiFePO4): Premium, 10-15 Jahre, 80-90 % entladbar, teurer
Faustregel: 2-3 Tage ohne Sonne aus Batterie überbrücken. Bei 500 Wh/Tag also 1.500 Wh = 125 Ah Batterie.
Komplettanlage berechnen
Beispiel Standard-Familien-Wohnmobil:
- Tagesverbrauch: 600 Wh
- Solar-Modul: 200-300 W
- Bord-Batterie: 150 Ah AGM oder 100 Ah Lithium
- Investition: 1.200-2.500 € (AGM) oder 2.500-4.500 € (Lithium)
Solar-Modul-Typen
- Mono-Kristallin: am effizientesten (20-22 %), Standard heute
- Poly-Kristallin: weniger effizient (16-18 %), günstiger
- Flexible Module: für gewölbte Dächer, etwas weniger effizient
- Faltbare Solartaschen: mobil, für gelegentlichen Einsatz
Installation
Optionen:
- Auf dem Dach festmontiert: Standard, robust, optimaler Ertrag
- Klappbar auf dem Dach: für besseren Sonnenwinkel, mehr Aufwand
- Mobile Solartasche: ausklappbar am Boden, flexibel
- Kombiniert: feste Anlage plus mobile als Zusatz
Laderegler
Pflicht-Komponente:
- PWM-Laderegler: günstig, einfach, weniger effizient (ca. 80 %)
- MPPT-Laderegler: teurer, deutlich effizienter (ca. 95 %)
Bei größeren Anlagen ab 200 W unbedingt MPPT.
Praxis-Tipps
- Sonnen-Richtung beim Stellplatz beachten
- Schatten vermeiden – auch ein Baum reduziert Ertrag drastisch
- Module sauber halten – Staub und Vogel-Dreck reduzieren Ertrag
- Im Winter: Solar liefert nur 20-30 % vom Sommer-Wert
- Kontrolle per App bei modernen Anlagen
Wann sich Solar lohnt
- Häufige Stellplatz-Übernachtungen (über 30 Nächte/Jahr)
- Längere Touren ohne Strom-Anschluss
- Wein- und Hof-Stellplätze ohne Strom
- Trekking-Camps ohne Strom
- Wintercamping-Heizungs-Steuerung
Mehr unter Bordbatterie-Wartung und Stellplätze für Wohnmobile.