Wohnmobil-Kauf ist eine 50.000-100.000-€-Entscheidung. Bevor du dich festlegst: mindestens zweimal mieten. Erste Tour zeigt, ob Wohnmobil-Reisen überhaupt zu dir passt. Zweite Tour (in anderer Klasse) zeigt, welche Klasse zu dir passt. Diese Anleitung gibt dir die Mieten-Strategie.

Mietpreise nach Saison

Realistische Tagessätze:

  • Hauptsaison (Juli-August): 150-250 €/Tag
  • Vorsaison (Mai-Juni): 90-150 €/Tag
  • Nachsaison (September): 80-130 €/Tag
  • Nebensaison (Oktober-April): 60-110 €/Tag

Beispiel: 2 Wochen in Hauptsaison kosten 2.100-3.500 € reine Miete – plus Sprit, Plätze, Endreinigung.

Was inklusive ist

Standard-Mietpaket:

  • Wohnmobil mit Vollausstattung
  • Kasko- und Haftpflicht-Versicherung
  • Bettzeug und Geschirr (oft gegen Aufpreis)
  • 1.000 km/Tag Freikilometer (bei manchen)
  • Pannenhilfe
  • Einweisung vor Ort

Was extra kostet:

  • Endreinigung (80-150 €)
  • Tank-Reinigung (50-100 €)
  • Kilometer über Freikilometer-Grenze (0,30-0,50 €/km)
  • Zusatzversicherungen (Selbstbeteiligung-Reduktion)
  • Hund (10-25 €/Tag)
  • Fahrradträger

Wo mieten

  • McRent: deutscher Marktführer, große Auswahl
  • Roadsurfer: junge Marke, online-fokussiert
  • Touring Club: Schweizer Marke, hochwertige Flotte
  • Indie Campers: portugiesische Marke, jung-stylisch
  • PaulCamper: P2P-Plattform für private Vermietung
  • YESCAPA: ähnlich, P2P-Vermietung
  • Lokale Vermieter: oft günstiger als Marken-Vermieter

P2P vs Vermieter

Vor- und Nachteile:

  • P2P (PaulCamper, YESCAPA): günstiger (oft 30-50 % weniger), individuelles Wohnmobil. Aber: Versicherungs-Risiko, Qualität schwankt.
  • Vermieter (McRent, Roadsurfer): standardisierte Flotte, professionelle Versicherung, Pannenhilfe. Aber: teurer.

Empfehlung erstes Mal: Vermieter wegen Service. P2P erst, wenn du das Konzept kennst.

Mit welchem Wohnmobil mieten

Strategie:

  1. Erste Tour: Klasse, die du wahrscheinlich kaufen würdest. Realistischer Eindruck.
  2. Zweite Tour: nächst-größere oder -kleinere Klasse. Vergleich.
  3. Dritte Tour: in anderer Saison oder Region. Verschiedene Anwendungsfälle.

Was beim Mieten zu prüfen

Bei Übergabe:

  • Reifen-Profil und -Druck
  • Beleuchtung komplett (Bremslicht, Blinker)
  • Klimaanlage funktioniert
  • Heizung und Boiler funktionieren
  • Wasser- und Gas-System
  • Vorhandene Schäden dokumentieren (Foto!)
  • Tankstand
  • Toilettenkassette leer

Bei Rückgabe

  • Tank wieder voll
  • Toilettenkassette und Grauwassertank entleert
  • Innenraum besenrein
  • Bettzeug abgezogen
  • Schäden gemeldet (auch kleine)
  • Vorhandene Schäden mit Übergabe-Protokoll vergleichen

Selbstbeteiligung

Bei Schäden:

  • Standard-Selbstbeteiligung: 1.500-2.500 €
  • Mit Reduzierung: 0-500 € (Aufpreis 10-20 €/Tag)
  • Diebstahl: oft volle SB
  • Eigenverschulden: oft volle SB

Empfehlung: Selbstbeteiligungs-Reduzierung dazu buchen. Spart bei Schaden viel Stress.

Realistische Erst-Tour

Empfehlung für ersten Mietversuch:

  • Dauer: 7-10 Tage (genug für ehrlichen Eindruck)
  • Strecke: kurze Anreise, 2-3 Plätze, dazwischen 100-200 km
  • Saison: Vor- oder Nachsaison (günstiger, weniger Stress)
  • Region: Deutschland oder Nachbarland (kein Sprach-Stress)
  • Wetter: nicht extrem heiß oder kalt

Wann sich Kauf statt Mieten lohnt

Faustregel:

  • Bis 30 Miet-Tage pro Jahr: Mieten lohnt
  • 30-60 Tage pro Jahr: Grenzfall, oft günstiger zu kaufen
  • Mehr als 60 Tage pro Jahr: Kaufen lohnt sich

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