Wir besuchen einen Plätze in Mecklenburg-Vorpommern, der vor 5 Jahren noch ein klassischer 80-Stellplatz-Plätze war. Heute betreibt er zusätzlich 18 Glamping-Einheiten und macht damit 60 % seines Erlöses. Frank Lindemann (Name geändert) erklärt, wie er das gemacht hat.

Wann begann der Wandel?

Frank: „2018 waren wir am Limit. 80 Stellplätze, gut ausgelastet, aber kaum Wachstum möglich. Wir hätten erweitern können, aber das wäre kompliziert mit Bauamt geworden. Da kam die Idee mit Glamping."

Wie haben Sie angefangen?

„Erst mal 4 Safari-Zelte. 50.000 € Investition pro Zelt, also 200.000 €. Sehr vorsichtig, kein All-In. Wenn das gefloppt wäre, hätten wir uns auch nicht ruiniert."

Wie waren die ersten Buchungen?

„Erste Saison 60 % Auslastung, was für Premium-Mietunterkünfte gut ist. Vor allem Pärchen aus Berlin und Hamburg. Hochzeiten, Geburtstage. Die Bewertungen waren super – im Schnitt 4,7 Sterne."

Wann haben Sie erweitert?

„Nach zwei Jahren. 2020 dann 6 Lodges für je 200.000 €. Plus 2 Bubble-Hotels. Insgesamt 1,8 Mio. € Investition über 4 Jahre. Aber: Erlös-Verdoppelung."

Was war die größte Herausforderung?

„Die Marketing-Strategie. Glamping-Gäste sind nicht Camping-Gäste. Pärchen aus der Stadt, oft das erste Mal Camping, hohe Erwartungen, andere Buchungs-Kanäle. Wir mussten uns komplett neu aufstellen."

Booking.com oder eigene Webseite?

„Beides. Booking.com bringt 40 % der Glamping-Buchungen, aber 18 % Provision tut weh. Eigene Webseite mit Booking-Engine bringt 50 %, Pincamp und andere Plattformen 10 %. Premium-Strategie funktioniert nicht ohne Premium-Webseite."

Wie unterscheiden sich die Gäste?

„Camping-Gäste kennen die Sanitärgebäude-Abläufe, kommen mit eigenem Essen, sind selbstständig. Glamping-Gäste fragen nach Restaurant-Empfehlungen, nach Handtüchern, nach Frühstücks-Lieferung. Das ist viel mehr Service, mehr Personal-Aufwand."

Was kostet das Personal?

„Wir hatten vorher 4 Vollzeit. Jetzt 7 Vollzeit. Plus Reinigungs-Service für die Glamping-Einheiten – das ist Hotel-Reinigung, nicht Camping-Reinigung. Aber: Erlöse sind auch deutlich gestiegen."

Was haben Sie nicht erwartet?

„Den Saison-Effekt. Glamping ist auch in Vor-/Nachsaison gut buchbar, weil die Lodges beheizt sind. Wir haben jetzt von April bis Oktober gute Auslastung, nicht nur Juli-August. Das hat unsere Liquidität dramatisch verbessert."

Würden Sie es wieder tun?

„Definitiv. Aber: ich hätte schneller skalieren sollen. Die ersten 4 Safari-Zelte waren vorsichtig, vielleicht zu vorsichtig. Hätte ich gleich 8 gehabt, wäre die Skalierung schneller gewesen."

Tipps für Plätze, die Glamping einführen wollen?

  1. „Klein anfangen. 3-4 Einheiten reichen für den Test."
  2. „In Premium-Qualität investieren. Glamping-Gäste sind anspruchsvoll."
  3. „Marketing-Strategie komplett neu aufbauen."
  4. „Service-Personal qualifizieren – Hotel-Standards."
  5. „Booking.com mitnehmen, auch wenn die Provision wehtut."
  6. „Eigene Webseite muss Premium-Niveau haben."
  7. „Saison-Erweiterung als Bonus erkennen."

Was ist die Zukunft?

„Glamping wird weiter wachsen. Ich plane noch 5 Premium-Lodges mit Wellness-Bereich. Dann sind wir vollständig auf Premium-Markt umgestellt. Klassische Stellplätze behalten wir – die Mischung funktioniert."

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