Wir besuchen einen 30-Stellplatz-Plätze tief in der Eifel. 1968 von den Großeltern gegründet, jetzt in dritter Generation. Hans Müller (Name geändert) erklärt, warum Klein-Plätze auch heute noch funktionieren.

Wie hat alles angefangen?

Hans: „Mein Großvater hat 1968 die Felder hier gekauft. Damals war Camping noch eine ganz neue Sache. Erst Zelt-Camping, dann kamen die ersten Wohnwagen. Mein Vater hat den Plätze 1985 übernommen, ich 2015."

Was unterscheidet einen Klein-Plätze?

„Wir kennen jeden einzelnen Gast persönlich. Bei 30 Stellplätzen geht das. Bei 200 Stellplätzen nicht mehr. Familie K. kommt seit 1972 jeden Sommer. Vier Generationen haben hier schon Urlaub gemacht. Das schafft eine Atmosphäre, die kein Premium-Plätze haben kann."

Wie überleben Sie wirtschaftlich?

„Mit 30 Stellplätzen kommen wir auf etwa 200.000-250.000 € Erlös pro Jahr. Davon bleiben nach allen Kosten etwa 60.000-80.000 € Familieneinkommen. Das ist nicht reich, aber wir leben gut. Wichtig: keine Schulden, kein Drama."

Was ist die größte Herausforderung?

„Online-Marketing. Wir mussten lernen, wie man eine Webseite macht, wie Pincamp funktioniert, wie man Bewertungen managt. Vor 10 Jahren reichte Mund-zu-Mund-Propaganda. Heute findet uns niemand mehr ohne Google."

Generationen-Wechsel?

„Mein Sohn studiert gerade Tourismus. Vielleicht übernimmt er in 10 Jahren. Aber ich dränge ihn nicht. Wenn er nicht will, suchen wir einen Pächter. Eine Klein-Plätze ohne Familie-Liebe funktioniert nicht."

Was machen Sie anders als die Großen?

„Wir sind in den Dingen, die wir machen, sehr gut. Sanitärgebäude top sauber, Stellflächen perfekt gepflegt, persönlicher Kontakt. Was wir nicht haben: Pool, Animation, Restaurant. Aber unsere Gäste suchen das auch nicht."

Was haben Sie modernisiert?

„2018 das Sanitärgebäude komplett neu, 250.000 €. 2020 die Stromsäulen. 2022 die Webseite. 2023 Online-Buchung. Jedes Jahr etwas, immer aus dem Cashflow finanziert. Keine großen Sprünge."

Was nervt am Camping-Geschäft?

„Das Wetter. Eine Saison mit drei Wochen Dauerregen kostet 30 % Erlös. Da kannst du noch so viel investieren. Und: dass alles teurer wird, aber die Gäste auf den Cent gucken. Strom war früher inkludiert, heute zahlen sie pro Kilowattstunde."

Was lieben Sie?

„Wenn die Familie K., die seit 1972 kommt, mich am letzten Tag umarmt und sagt: ‚Bis nächstes Jahr.' Das ist der Moment, in dem ich weiß, warum ich das mache. Camping ist eine Beziehung, kein Geschäft."

Drei Tipps für Quereinsteiger?

  1. „Kauft keinen Plätze ohne 5 Jahre Erfahrung im Tourismus. Der erste Sommer ist hart."
  2. „Investiert in Online-Sichtbarkeit. Webseite, Pincamp, Bewertungen. Ohne das geht nichts mehr."
  3. „Behaltet die Atmosphäre. Premium-Plätze gibt es genug. Klein-Plätze mit Atmosphäre sind die Nische der Zukunft."

Wie sehen Sie die Zukunft?

„Klein-Plätze mit Charakter werden überleben. Mittel-Plätze ohne USP werden schwer kämpfen. Premium-Plätze werden weiter wachsen. Wir sind in der ersten Liga – nicht wegen Größe, sondern wegen Qualität."

Mehr unter Familienbetrieb und Konzept-Entwicklung.