Wintercamping ist die unterschätzte Saison-Form. Die meisten deutschen Plätze schließen im November. Etwa 200 Plätze bleiben ganzjährig offen. Wir haben eine Woche Mitte Januar im Allgäu verbracht, bei -10 °C und 30 cm Schnee.
Anreise
Schon die Anreise ist anders. Schneeketten dabei, Wohnwagen-Heizung läuft auf der Fahrt. Stellplatz war geräumt – das ist ein Premium-Service mancher Wintercamping-Plätze. Bei minus 8 °C ankommen, sofort Heizung auf 21 Grad, langsam wird es im Wohnwagen warm.
Tag 1: Akklimatisierung
Der erste Tag ist Akklimatisierung. Heizung läuft konstant, Gas-Verbrauch deutlich höher als im Sommer (ca. 2-3 kg pro Tag). Schneefreies Räumen rund um den Wohnwagen. Das Vorzelt bleibt zu Hause – im Winter zu kompliziert.
Tag 2-3: Skifahren
Vom Plätze direkt zum Skigebiet, 10 Minuten Auto. Skiausrüstung im Wohnwagen aufbewahren spart Hotel-Kosten. Apres-Ski im Wohnwagen mit selbstgemachtem Glühwein.
Tag 4: Schneesturm
Nacht 4 bricht Schneesturm aus. Markisen sind sowieso nicht aufgebaut. Der Wohnwagen wackelt im Wind, aber hält. Heizung läuft, Gas-Vorrat ausreichend. 25 cm Neuschnee am Morgen.
Tag 5: Schnee-Räumen
Der Plätze hat ein Räum-Service, aber nicht direkt am Stellplatz. Der ist Sache der Camper. Schaufel war zum Glück dabei. 1 Stunde Räum-Arbeit. Sportliches Aufstehen.
Tag 6: Wandern im Schnee
Tageswanderung mit Schneeschuhen. Vom Plätze direkt in die Berge. Atemberaubende Stille im verschneiten Wald. Nachmittags zurück, Tee-Pause.
Tag 7: Abreise
Letzter Tag. Wassersystem entleeren, Heizung-Frostschutz prüfen. Schneeketten wieder dabei. Bei minus 12 °C nach Hause fahren. Eine intensive Woche.
Was Wintercamping braucht
- Wintertaugliches Wohnwagen-/Wohnmobil: doppelte Isolierung, Winter-Heizung
- Truma S-Heizung: oder vergleichbare Winter-taugliche Heizung
- Gas-Vorrat: 2-3x mehr als Sommer
- Wintergeeignete Reifen: M+S-Kennung, Winterreifen
- Schneeketten: für Bergregionen
- Schaufel: für Schnee-Räumen
- Frostschutz für Wassersystem
- Strom-Anschluss: für Heizungs-Booster
- Warme Decken und Kleidung
Wintercamping-Plätze in Deutschland
- Allgäu: viele Plätze für Skifahren
- Schwarzwald: Höhenlagen mit Schnee-Aktivitäten
- Bayerischer Wald: günstiger als Alpen
- Sauerland: nördliche Skigebiete
- Erzgebirge: ostdeutsche Wintercamping-Region
- Harz: für Wintercamper:innen aus Norddeutschland
Kosten-Realität
- Stellplatz Wintercamping: 35-55 €/Nacht (höher als Sommer)
- Strom: 5-8 €/Tag (mehr als Sommer)
- Gas: 50-80 €/Woche
- Plus Skipass, Restaurant, Lebensmittel
Vor- und Nachteile
Vorteile:
- Eigene Unterkunft am Skigebiet
- Günstiger als Hotel-Skiurlaub
- Authentische Berg-Atmosphäre
- Weniger Touristen als im Sommer
Nachteile:
- Hoher Aufwand
- Höhere Kosten als Sommer-Camping
- Wetter-anfällig
- Eingeschränkte Plätze-Auswahl
Empfehlung
Wintercamping ist nicht für jeden. Wer Skifahren liebt und einen Wohnwagen hat, kann Premium-Erfahrungen machen. Wer nicht die richtige Ausrüstung hat oder unflexibel ist: Hotel-Skiurlaub bleibt einfacher.
Mehr unter Wintercamping-Grundlagen und Bayern.