Wintercamping ist eine eigene Disziplin. Wer im Dezember mit Wohnwagen oder Wohnmobil verreist, braucht andere Ausrüstung, andere Plätze und andere Gewohnheiten als im Sommer. Diese Grundlagen-Anleitung gibt dir die wichtigsten Punkte – Heizung, Wasser, Gas, Strom – in der Reihenfolge, wie du sie verstehen solltest, bevor du das erste Mal wintercampst.

Heizung: das wichtigste Thema

Drei Heizungs-Konzepte sind verbreitet:

  • Truma-Heizung mit Gas – Standard in den meisten Wohnwagen, betrieben mit Propan-Gas.
  • Standheizung mit Diesel – Standard in Wohnmobilen, läuft unabhängig vom Stellplatz-Strom.
  • Elektrische Heizung – nur am Stellplatz mit ausreichend Strom. Häufig als Ergänzung zu Gas.

Praxis: Truma-Heizung im Wohnwagen vor jeder Wintersaison testen. Wer ohne funktionierende Heizung wintercampt, hat ein Problem. Bei Defekt sofort zur Werkstatt.

Gas: Propan statt Butan

Sehr wichtig: für Wintercamping nur Propan-Gas verwenden, nicht Butan.

  • Butan verflüssigt sich bei 0 °C und funktioniert bei Frost nicht mehr.
  • Propan bleibt bis -42 °C nutzbar. Wintergas-Standard.

Wer eine Butan-Flasche im Winter benutzt, hat ein totes Heizsystem. Vor Anreise: Wintergas tanken oder neue Propan-Flasche kaufen.

Wasser: Frostschutz

Frostschutz ist beim Wintercamping zentral:

  • Frischwassertank – beheizt oder mit Frostschutz-Tabletten
  • Wasserleitungen – sollten isoliert oder beheizt sein
  • Außenwasser-Anschluss – nur für kurze Verwendung, sonst friert er zu
Wassersystem entleeren

Wer den Wohnwagen über mehrere Wochen ohne Heizung steht, sollte das komplette Wassersystem entleeren: Frischwassertank leerlaufen lassen, Pumpe drehen, Toilettenkassette entleeren. Sonst können Frostschäden in den Leitungen entstehen, die teuer zu reparieren sind.

Strom: höherer Verbrauch

Im Winter läuft viel mehr Strom:

  • Heizung läuft permanent – Truma braucht 1-3 A je nach Stufe.
  • Beleuchtung länger an – Tage sind kürzer.
  • Eventuell elektrische Heizung als Backup zu Gas.
  • Smartphone und Laptop häufiger geladen.

Stellplatz-Strom-Anschluss sollte mindestens 10 A CEE liefern, besser 16 A. Mit 6 A wird es bei extremen Wetterlagen knapp.

Reifen und Anreise

  • Winterreifen oder Ganzjahresreifen Pflicht
  • Schneeketten in Hochlagen über 800 m bei Bedarf
  • Wohnwagen-Anhänger ebenfalls mit M+S-Reifen
  • Wetter-Check vor Anreise – bei Schneechaos Anreise verschieben

Plätze für Wintercamping

Etwa 200 deutsche Plätze sind ganzjährig geöffnet. Mehr unter Wintercamping.

Hauptanforderungen an einen Wintercamping-Plätze:

  • Sanitärgebäude beheizt – nicht selbstverständlich
  • Strom-Anschluss mindestens 10 A
  • Schneeräum-Service auf den Wegen
  • Frischwasser-Verteilstation funktionsfähig auch bei Frost

Was du dabeihaben musst

  • Wintergasflasche (Propan), volle Reserve
  • Schneeketten (auch wenn nicht geplant)
  • Frostschutz für Wassersystem
  • Schaufel für Schnee am Stellplatz
  • Stirnlampe und Powerbank
  • Sehr warme Schlafsäcke
  • Wärmeflaschen (alte Schule, aber effektiv)
  • Reisepass-Versicherungs-Notfall-Kontakte

Heiz-Strategie und Verbrauch

Realistische Erwartungen:

  • Truma-Heizung Stufe 1-2 für Tag-Betrieb (bei -5 °C draußen)
  • Stufe 3-4 für Nacht-Betrieb (bei -10 °C oder kälter)
  • Gasverbrauch: eine 11-kg-Propan-Flasche reicht etwa 3-5 Tage im Dauerbetrieb
  • Elektrische Heizung als Ergänzung spart Gas, kostet aber Strom

Praxis-Hinweise

Erste Wintercamping-Tour: nicht direkt zwei Wochen buchen. Stattdessen mit Wochenend-Tour starten – dann lernst du, wie Heizung, Gas und Frostschutz wirklich funktionieren. Längere Touren erst nach erster Erfahrung.

Wer eine Wohnmobil-Standheizung hat, sollte sie regelmäßig laufen lassen, auch im Sommer. Standheizung-Defekte zeigen sich oft erst, wenn man sie wirklich braucht.

Mehr unter Wintercamping-Übersicht und Camping zu Weihnachten und Silvester.