Glossar
Kurtaxe.
Kommunale Übernachtungsabgabe in Tourismus-Orten – pro Person und Nacht.
Definition
Die Kurtaxe ist eine kommunale Abgabe, die Tourismus-Orte von Übernachtungsgästen erheben. Sie finanziert touristische Infrastruktur: Strandzugänge, Wanderwege, Kurkonzerte, Ortsverschönerung, Touristen-Info. Im Camping-Kontext meist 1,50-4 € pro Person und Nacht.
Wer zahlt Kurtaxe
- Erwachsene: voller Satz
- Kinder unter 6 Jahren: meist befreit
- Kinder 6-14 Jahre: oft halber Satz
- Schwerbehinderte: meist befreit (Nachweis nötig)
- Geschäftsreisende: oft befreit (Nachweis nötig)
Höhe nach Region
Realistische Werte in deutschen Tourismus-Regionen:
- Allgäu: 2,50-4 €/Nacht (zu den höchsten)
- Bodensee: 2-3,50 €/Nacht
- Schwarzwald: 1,50-3 €/Nacht
- Ostsee: 1,80-3 €/Nacht
- Nordsee: 2-3 €/Nacht
- Mecklenburgische Seenplatte: 1-2,50 €/Nacht
- Harz: 1,50-2,50 €/Nacht
Was Kurtaxe bringt
Mit der Zahlung erhält man eine Gästekarte – oft mit konkreten Vorteilen:
- Kostenloser ÖPNV (z.B. Schwarzwald-Konus, AllgäuWalser-Card)
- Eintrittsermäßigungen für Bäder, Museen
- Vergünstigungen bei Schiffsfahrten
- Wanderbus-Nutzung
- Rabatte bei Aktivitäten und Restaurants
Erhebung am Camping-Platz
Bei Check-in werden alle Personalien erfasst. Die Kurtaxe wird auf der Plätze-Rechnung separat ausgewiesen, der Plätze führt sie an die Gemeinde ab. Aus Sicht des Plätzes ein durchlaufender Posten – kein Umsatz, keine Umsatzsteuer.
Kurtaxe vs Bettensteuer
Nicht zu verwechseln: Bettensteuer wird nur in einigen Großstädten erhoben (Berlin, Hamburg, Köln, Bremen, Leipzig, München). Sie ist prozentual (3-7,5 % vom Übernachtungspreis), nicht pro Person und Nacht. Auch Geschäftsreisende sind in einigen Städten verpflichtet, sie zu zahlen.
Pauschale für Dauercamper
Bei Dauercampern ist Kurtaxe oft als Saison-Pauschale geregelt. Beispielsweise 100-200 €/Saison statt täglicher Erhebung. Viele Plätze handhaben das mit lokaler Vereinbarung.
Praxis-Beispiel
Familie mit zwei Erwachsenen und einem Kind (8 Jahre), 7 Nächte am Bodensee:
- 2 Erwachsene × 7 Nächte × 3 € = 42 €
- 1 Kind × 7 Nächte × 1,50 € = 10,50 €
- Gesamt: 52,50 € Kurtaxe
Mit Gästekarte: kostenloser ÖPNV in der Region, Eintritts-Rabatte – realistischer Gegenwert oft 100-200 € bei aktiver Nutzung.
Praxis im Alltag
Die Kurtaxe ist wirtschaftlich kein großer Posten – aber sie reizt viele Camper:innen aus Prinzip. Bei einer Familie mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern in einer Premium-Region wie dem Allgäu fallen pro Woche etwa 80-100 € Kurtaxe an. Das fühlt sich besonders dann unangenehm an, wenn man die Gegenleistung – die Gästekarte – nicht aktiv nutzt. Wer nur am Strand liegt, sieht von den finanzierten Wanderwegen, Buslinien und Kurkonzerten nichts.
Wer die Kurtaxe wirklich auswertet, kann sie in der Regel doppelt wieder herausholen. Die Schwarzwald-Konus-Karte beispielsweise ermöglicht kostenlose Bus- und Bahn-Nutzung in der gesamten Region. Eine Familie, die fünf Tage damit unterwegs ist, fährt rechnerisch 150-200 € „kostenlosen" ÖPNV. Die AllgäuWalser-Card bietet ähnliche Vorteile plus Bergbahn-Vergünstigungen. Bodensee-Karten haben Schiffsfahrt-Rabatte. Wer das nutzt, hat die Kurtaxe nach 2-3 Tagen wieder eingespielt.
Aus rechtlicher Sicht ist Kurtaxe keine Steuer, sondern eine kommunale Abgabe nach Landesrecht. Jede Gemeinde kann eigene Sätze und Befreiungen festlegen. Daher die enormen Schwankungen: Selbst innerhalb eines Bundeslands gibt es Kurtaxe-Sätze von 0,50 € bis 4 € pro Person und Nacht. Manche Tourismus-Hochburgen haben sogar gestaffelte Sätze nach Saison – im Schwarzwald oft 50 % Vor-/Nachsaison-Rabatt auf die Kurtaxe.
Praktisch erfährt man die Kurtaxe-Höhe meist erst bei Check-in. Auf Buchungs-Plattformen wird sie häufig nicht klar ausgewiesen, sondern als „lokale Steuer wird vor Ort erhoben" angedeutet. Erfahrene Camper:innen rechnen pauschal 15-25 € Kurtaxe pro Person und Woche ein. Premium-Plätze-Apps wie Pincamp zeigen die Kurtaxe-Höhe oft transparent in der Buchungsmaske – ein zunehmender Trend, der Vergleichbarkeit verbessert.