Dauercamping ist eine deutsche Tradition mit eigener Mentalität. Statt jeden Sommer einen anderen Ort zu erkunden, mieten Dauercamper:innen einen festen Stellplatz für eine ganze Saison oder das ganze Jahr – mit eigenem Wohnwagen, oft mit Vorzelt, Schrebergarten-Terrasse und einer Plätze-Gemeinschaft, die teils seit Jahrzehnten zusammenkommt. Etwa 100.000 deutsche Haushalte haben einen Dauercamper-Vertrag.
Was Dauercamping wirklich bedeutet
- Saison- oder Jahresvertrag für einen festen Stellplatz – meist von April bis Oktober oder ganzjährig.
- Wohnwagen bleibt am Platz – ein typisches Bild ist der seit Jahren gleiche Wohnwagen mit ausgebautem Vorzelt.
- Eigene Gärtchen rund um den Wohnwagen – mit Hecke, Beet, Pavillon, manchmal Gartenhaus.
- Stammgast-Gemeinschaft – Nachbarschaft, die sich über Jahre kennt.
- Eigene Regeln pro Platz – Hausordnungen, Wahlmöglichkeiten zur Vorzelt-Gestaltung, manchmal Gemeinschafts-Aktivitäten.
Dauercamper-Vertrag verstehen
Drei Hauptformen:
- Saisonvertrag (April–Oktober) – die häufigste Form. Wohnwagen bleibt im Winter auf dem Platz, oft mit Schutzplane.
- Jahresvertrag – Stellplatz das gesamte Jahr. Auf wintertauglichen Plätzen sinnvoll.
- Mehrjahres-Standort – Wohnwagen wird auf Dauer angelegt, mit gewachsenem Vorzelt und Garten.
Ein Dauercamper-Vertrag ist kein Mietvertrag im wohnungsrechtlichen Sinne, sondern ein Pachtvertrag. Das hat Konsequenzen für Kündigungsschutz, Erbrecht und Räumungsverpflichtungen. Wer einen Wohnwagen-Stellplatz auf Dauer mietet, sollte den Vertrag und die AGB sehr sorgfältig lesen. Mehr im Dauercamper-Vertrag-Guide.
Wer Dauercamping betreibt
Drei Hauptzielgruppen:
- Familien aus dem nahen Umland, die das ganze Sommerhalbjahr Wochenend-Reisen machen.
- Senior:innen, die ein „Zweitleben" am Camping-Platz aufgebaut haben.
- Stadtnomaden, die einen Garten ohne Eigentumsverpflichtungen suchen.
Dauercamping-Reviere in Deutschland
Dauercamping ist regional sehr unterschiedlich verteilt:
- Sauerland-Stauseen – sehr starke Dauercamper-Kultur am Möhnesee, Sorpesee, Hennesee.
- Lüneburger Heide – traditionell stark, viele Plätze mit hoher Stammgast-Quote.
- Spreewald – Dauercamper aus Berlin und Brandenburg.
- Mecklenburgische Seenplatte – seit DDR-Zeiten Tradition.
- Ostseeküste – einige große Dauercamping-Plätze.
Was Dauercamping kostet
Saisongebühren variieren stark:
- Saisonvertrag (April–Oktober): 1.200 bis 2.500 €
- Jahresvertrag: 2.000 bis 4.500 €
- Strom, Wasser, Müll: meist nach Verbrauch, 200 bis 600 € extra
- Kurtaxe: für Stammgäste oft pauschal oder ermäßigt
Im Verhältnis zu wöchentlichem Familienurlaub ist Dauercamping ab etwa drei bis vier Wochenenden pro Saison wirtschaftlicher.
Camping-Arten im Vergleich
- Dauercamping – fester Stellplatz auf Dauer.
- Familiencamping – wechselnde Reisen mit eigenem Wohnwagen.
- Stellplätze für Wohnmobile – kurzer flexibler Stopp.
Praxis-Hinweise
Vertrag genau lesen: Pflichten zu Vorzelt-Größe, Heckeneinhaltung, Renovierungen, Räumungsverpflichtungen am Vertragsende. Manche Plätze fordern bei Kündigung den Abbau auf eigene Kosten.
Wartelisten: in beliebten Reviere sind Dauerstellplätze oft jahrelang nicht verfügbar. Plätze am Wasser besonders begehrt. Manchmal helfen Übernahmen von ausscheidenden Stammgästen.
Wohnwagen-Lebensdauer: ein Dauercamper-Wohnwagen ist oft 15 bis 25 Jahre am gleichen Platz. Wartung, Versicherung und gelegentlicher Umbau gehören zum Konzept.